Ein neues Jahr – Hoffnung und Zuversicht trotz allem

Gemeinde Herz Jesu

Liebe Gemeindemitglieder,

 

ein ungewöhnliches, für manche nicht nur beängstigendes, sondern leidvolles Jahr liegt hinter uns. Kein Prophet konnte es vorhersagen, kein Pessimist damit rechnen.

In den Gedanken, Hoffnungen und Wünschen spielte einealles auf den Kopf stellende Pandemie keine Rolle. Wir haben doch, so dachten wir, „alles in allem“ alles im Griff. Für die meisten hätte darum an der letzten Jahreswende im Grunde alles in gewohnten Bahnen weiterlaufen können.

Nun stehen wir wieder am Beginn eines neuen Jahres und können das alte nicht einfach zurücklassen, uns nicht einfach schütteln und unbelastet von vorne beginnen. Viele Probleme, Gefährdungen, Ungewissheiten und Fragen nehmen wir mit über den Jahreswechsel und gehen in eine Zeit, die sich allen Voraussagen, Planungen und jeder Gewissheit verweigert. Wir leben weiterhin Schritt für Schritt, tastend – und dann zufrieden, wenn wir feststellen, dass wir auch unter schwierigen Bedingungen vorankommen.

Als Gemeinde wird uns zumindest in den ersten Monaten nicht möglich sein, was zu anderen Zeiten zum scheinbar selbstverständlichen Gemeindealltag gehörte. Auf manches Vertraute werden wir noch verzichten müssen – wir sind darin, gegen unseren Willen, inzwischen ja schon geübt.

Eins aber sollten wir miteinander versuchen, gleichsam gegenseitig versprechen: uns nicht aus dem Sinn, aus dem Blick, aus unseren Gedanken – auch vor Gott – zu verlieren. Halten wir an der Gemeinschaft fest, die sich ja nicht nur in unseren Treffen und im Gottesdienst zeigt und verwirklicht. Sie kommt bei diesen Begegnungen zwar sichtbar zum Ausdruck und wird durch sie gestärkt, aber das nur glaubwürdig und effektiv, wenn sie darüber hinaus als geistig-geistliche Wirklichkeit lebendig bleibt. Ohne diese geistige Gemeinschaft wäre unser gemeindliches Miteinander hohl, hörten wir auf, Gemeinde zu sein. Dieser Zusammenhang ist ja der Grund für die berechtigte Sorge, dass sich durch die Corona-Pandemie der Prozess der äußeren Verkleinerung und der inneren „Auszehrung“ der Gemeinde beschleunigt.

Halten wir darum unsere Verbundenheit als Gemeinde lebendig: telefonieren wir miteinander; kümmern wir uns umeinander, wo Hilfe notwendig ist; verschicken und beantworten wirBriefe, WhatApps und E-Mails, um Verbindung zu halten;kommen wir zum Gottesdienst zusammen unter Beachtung der notwendigen Vorschriften; besuchen wir einzelne Personen oder treffen uns in kleinem Kreis, wenn es ohne Risiko für die Gesundheit zu verantworten ist. Auf diese Weise verhindern wir, dass wir uns „auseinanderleben“ und nach der Corona-Krise erschrocken feststellen, dass sich die Krise kirchlicher Praxis und gelebten Glaubens verschärft hat, dass kaum zu reparierender Schaden am Miteinander der Gemeinde entstanden ist.

Aber trotz aller dunkler Wolken dürfen wir nicht vergessen, dass auch in dieser Situation Wolken und blauer Himmel, Licht und Schatten zusammengehören. Das gilt sicher wegen der Impfungen, die inzwischen begonnen haben. Diese helfen, dass das Licht am Ende des Tunnels deutlicher wird. Heller wird aber unsere Welt schon in den vergangenen Monaten durch die vielen Menschen, die sich mit aller Kraft für die Kranken und Sterbenden und in verschiedenen Bereichen für die Überwindung der Pandemie einsetzen.

Wann, wenn nicht in diesem Zusammenhang, dürfen wir wohl aus dem Glauben sagen, dass sich in all dem der heilende und schöpferische Geist Gottes als lebendig und wirkmächtig erweist. In diesen nach-weihnachtlichen Tagen erinnern wir uns daran, dass der, der aus der Kraft des göttlichen Geistes Mensch wurde, als Licht in diese Welt und, wie es das Johannesevangelium betont, in die Finsternis dieser Welt gekommen ist.

Daraus schöpfen wir letztlich unsere Hoffnung und unsere Zuversicht für das kommende Jahr. In dem Geist, der „das Angesicht der Erde erneuern“ wird gewinnen wir die Kraft für die kleinen Schritte, mit denen wir durch das neue Jahr gehen. Mögen sie fest sein in dunklen Stunden und beschwingt in „lichten Momenten“.

Ihnen allen ein gutes, gesegnetes Jahr 2021!

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