Gottesdienste fallen aus „Macht hoch die Tür…“ – bei geschlossenen Kirchentüren

Gemeinde Herz Jesu

Leider fallen alle Messen und Gottesdienste bis mind. 10.Januar 2021 in Herz Jesu Hüllen aus.

In diesem Jahr bleiben die Türen der Kirchen verschlossen. Für viele nicht nur eine Enttäuschung; es fehlt ihnen das, was das Fest eigentlich „ausmacht“.

Nun mag man einwenden: Jesus ist doch nicht an einem besonderen Ort geboren–nicht in der Hauptstadt Jerusalem, nicht im Tempel, sondern in einem abgelegenen Dorf, in Betlehem, in einem Stall. Was ist also schon dabei, seine Geburt nicht in der Kirche zu feiern, sondern „nur“ in unseren Wohnungen am Tannenbaum, also immer noch komfortabler als an einer Futterkrippe.

Natürlich gehen die Welt und auch die Kirche nicht davon unter, wenn wir das Geburtsfest Jesu einmal in „kleinerem Rahmen“ feiern, wie viele Feste in diesem „Corona-Jahr“. Im nächsten Jahr holen wir das dann einfach nach.

Doch ganz so einfach ist das mit dem „Nachholen“ nicht. Immerhin begann mit dem Besuch der Hirten und der Sterndeuter an der Krippe der zweitausend Jahre alte Pilgerzug derer, die in der Geburt dieses Kindes die entscheidende Zeitenwende, den Beginn einer neuen Zeit und für ihr eigenes Leben den tragenden Grund und die entscheidende Hoffnung sehen. Jesus Christus fügt diese Hoffnungsgemeinschaft zu allen Zeiten zusammen – bis auf den heutigen Tag.

Dass wir dieses „leibhaftig-räumliche“ Zusammengehören mit Christus und seinerGemeinde nicht feiern und erfahren können, sondern nur gleichsam privat (also in wörtlicher Bedeutung „beraubt“), ist ein schmerzlicher Verlust, der das Wesen dieses Festes betrifft. Die gemeinsame Feier des Geheimnisses der Menschwerdung Gottes ist nicht ein beliebiges „Beiwerk“, ohne das nichts Wesentliches fehlen würde. Um es mit einem Bild zu sagen: Es fehlt nicht nur das Lametta am Baum.

Und dennoch: Wenn in diesem Kind Gott Mensch für alle Menschen geworden ist, dann kann keine Gemeinschaft dieses Ereignis nur „für sich“ feiern; dann darf keine Kirche, keine Gemeinde sich wie eine „geschlossene Gesellschaft“ verhalten; dann ist diese Frohe Botschaft kein „Geheimschlüssel“ , der nur unter Eingeweihten weitergereicht wird und Zugang zu Gott eröffnet.

Mit der Geburt Jesu fallen alle Mauern zwischen den Menschen; Kirchenmauern sind durchlässig, mit „offenen Türen“ auch in geschlossenem Zustand. Wie Gott selbst sind auch sein Wort, seine Kirche und vor allem sein Sohn Jesus Christus für alle Menschen da.

Darum: Auch in diesem Jahr, ja, gerade in diesem Jahr muss durch die Christinnen und Christen Weihnachten zu einem Fest für möglichst viele Menschen werden, ein Licht, das nach dem Johannesevangelium in „die Finsternis“ kam – auch in die Dunkelheiten unserer Tage.

Möge das diesjährige, so ganz andere Weihnachten für uns selbst ein Lichtschein sein und uns in die Lage versetzen, die in der Geburt Jesu deutlich gewordene Menschenfreundlichkeit Gottes auszustrahlen und zu einem Lichtblick für unsere Mitmenschen zu machen: „Macht hoch die Tür…“!

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