Das Gebet der Jüngerinnen und Jünger

Gemeinde St. Augustinus

Liebe Mitchristen,

Die Worte aus der Apostelgeschichte nehmen uns mit in die Zeit nach der Himmelfahrt Jesu und vor dem Kommen des Heiligen Geistes am Pfingstfest. Sie sind also genau da verortet, wo wir heute im Kirchenjahr stehen – am siebenten Sonntag der Osterzeit, eingespannt zwischen diese zwei Hochfeste.

Die Apostel haben gerade – nach den Worten der Apostelgeschichte – die Himmelfahrt Jesu erlebt. Man kann sich vorstellen, dass dies kein alltägliches Ereignis gewesen ist, dementsprechend verwirrt und aufgewühlt werden sie gewesen sein. Die Apostel sowie weitere Jüngerinnen und Jünger versammeln sich in dem Haus, in dem sie sich schon oft getroffen haben, und bleiben da auch erstmal.
Sie haben anstrengende Wochen hinter sich. Nach dem schrecklichen Ereignis der Kreuzigung Jesu, der Verzweiflung und Trauer, schöpften sie neue Hoffnung durch
das mehrfache Wiedersehen mit Jesus als dem Auferstandenen. Und nun ist schon wieder eine neue Situation eingetreten: Jesus ist nicht mehr sichtbar, nicht mehr erlebbar.
In dieser Situation sammeln sie sich in einem zweifachen Sinn: Sie kommen zusammen und sammeln sich gedanklich durch das gemeinsame Gebet.
Dadurch halten sie die Kommunikation zu Jesus aufrecht und damit kämpfen sie vermutlich auch gegen die eigene Unsicherheit an. Schließlich wissen sie nicht wie es weitergehen wird. Sie können nur vertrauen auf die Aussage Jesu, dass dies nicht das Ende seiner Geschichte mit ihnen sein wird: „ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8). Aber erstmal ist alles unbestimmt und so vertrauen sie auf das Gebet. Darin können sie sich mit ihren Sorgen und Nöten Jesus und Gott seinem Vater anvertrauen und zugleich verbindet es sie untereinander.

Das Gebet ist Dreh- und Angelpunkt des Glaubens. Jesus pflegt als Jude das Gebet und in seiner Verbindung zu Gott als seinem Vater bekam das Gebet zu ihm eine besondere Bedeutung. Auch die Jüngerinnen und Jünger standen in der jüdischen Gebetstradition. Nach Jesu Tod, Auferstehung und Himmelfahrt wurde das Gebet sozusagen in besonderer Weise zum Mittel „um die Kommunikation zu halten“.

Die 2000 Jahre Kirchengeschichte sind daher in erster Linie eine Geschichte der persönlichen und gemeinsamen Gebete, der persönlichen Gebete mit Gott und der gemeinschaftlichen Gebete zu Gott in den christlichen Gemeinden rund um die Erde bis heute, bis zu diesem Sonntag im Mai im Jahre 2020.
Ihr Pastor Mirco Quint.

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