Hauptsache, ich muss mich nicht ändern.

Gemeinde St. Augustinus

„Kirche soll sich ändern“ höre ich immer wieder. Vor allem dann, wenn andere Argumente ausgehen. „Die Kirche?! Was meinen Sie damit, wenn ich fragen darf? Was bzw. wer ist die Kirche? Papst weit weg in Rom? Unser Bischof vielleicht? Bistumsleitung oder ich, Ihr Pastor?“ Dann kommt eine Stille und das Thema wird auf Morallehre der Kirche, Geld, Klerikalismus... gewechselt.

„Und all die Gebote und Verbote solle man ändern.“ Am besten auf sie verzichten, musste ich gleich den Gedankenzug in mir zu Ende denken. Auf die Frage um welche Verbote und Gebote es sich handelt, kommen die „Standardthemen“. Ich will die Probleme nicht klein reden. Das nicht! Aber Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es die sogenannte „KIRCHE“ oft nicht gibt. Es ist zu abstrakt. Es beinhaltet alles und nichts. Vielleicht wird es so zu einem Beruhigungsmittel oder zu einer Ausrede, damit die Anderen sich ändern; damit sich überhaupt was ändert. „Aber ich nicht! Hauptsache, ich muss mich nicht ändern.“ Ich und Sie aber, das ist Kirche und sie soll sich nach dem Evangelium orientieren und erst dadurch werden Änderungen, Bewegungen und Entwicklungen möglich. So glaube ich zumindest. In dieser Hinsicht ist für mich der Hl. Franz von Assisi ein gutes Beispiel. Er sieht Probleme – und zu seiner Zeit, glauben Sie mir, war es in und mit der Kirche viel schlimmer als heutzutage – und ändert sich selbst; sein eigenes Denken und Handeln. Er zeigt nicht mit dem Finger auf die Anderen, sondern auf sich. Ein „Pfarreientwicklungsprozess“ im Kleinen! Diese franziskanische Art ist mir persönlich lieber – bei sich selber anfangen. Der Heilige aus Assisi versucht nach dem Evangelium zu leben und es klappt: Nicht chronische Kritik und ständiges Schlechtreden, sondern Liebe zu Jesus und zu dem, was Ihm wichtig war – also zu seiner Kirche. Die Betonung liegt hier auf SEINER. Franziskus spaltet die Kirche nicht. Er liebt sie auch und vor allem dann, wenn sie so schwach – so menschlich – ist. Gerade in dieser schwachen, normalen, „unattraktiven“ Kirche konnte er Gott begegnen. Das hat mich vor Jahren überzeugt. Diese, seine Einstellung zieht nicht nur damals sondern auch heute noch die Menschen an. Franziskus gründet „unerwartet“ einen Orden und will in der Kirche bleiben, will sie von innen neu mit Leben füllen. Er bittet den Papst um Erlaubnis, nach dem neuen Lebensstill (Regel) handeln zu dürfen. Er lebt dann ganz konkret nach dem Evangelium und ändert damit nicht nur sich, sondern nebenbei auch „die Kirche“. Ganz nach der Franziskanischen Einstellung – bei sich anfangen! Da ist genug zu tun. Eine unendliche Baustelle. Fangen wir also bei uns an und lassen wir aus der vagen Aussage „Die Kirche soll sich ändern“ etwas konkretes entstehen. „Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen... Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug“ (aus dem Sonntagsevangelium - Matthäusevangelium 25, 1-2).
Ihr Pater Christoph

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