Erfolgreiche Phase des „HINSEHENS“

von Manfred Paas Pfarrei | #pep

Zum dritten und vierten Mal haben sich inzwischen die Arbeitsgruppen zum Pfarreientwicklungsprozess (PEP) in der Propsteipfarrei St. Augustinus getroffen. Die Protokolle sind Zeugnis von intensiven und diskussionsfreudigen Gesprächen.

(Auszug aus den Lebensbahnen 2/2016)

Pastorale Erlebensorte

In der Arbeitsgruppe „Pastorale Erlebensorte“ berichteten die Mitglieder von lebendigen Gemeinden mit Gruppen und Verbänden, die zahlreiche Aktivitäten entfalten und viele Menschen einbinden. In all unseren Gemeinden gibt es ein großes ehrenamtliches Engagement.?Daran wird sichtbar, wie wichtig den Men-?schen nach wie vor das kirchliche Leben in?ihrem Umfeld ist. Darüber hinaus wurden auch pastorale Schwerpunkte genannt, etwa in St. Josef die besondere Prägung durch die franziskanische Ordensgemeinschaft, in Hl. Familie die seit langem gewachsene ökumenische Zusammenarbeit, in St. Augustinus die vielfältigen spirituellen Initiativen, die Möglichkeiten der Citypastoral sowie die Belebung der Gemeindearbeit durch die große Internationalität, in Herz-Jesu die starke Senioren- und Jugendarbeit und in St. Mariä Himmelfahrt die experimentelle Liturgie, auch durch die Verbindung von Kunst und Kirche, sowie das Einandernahesein im Stadtteil durch die monatlichen Gemeindenachrichten im Abo.

Die Arbeitsgruppe stellte sich dann die Fragen „Welche Pastoral brauchen wir für uns selbst?“ und „Was sollten wir tun, damit unsere Kirche für Menschen, die wenig oder keinen Kontakt zu ihr haben, für sie interessant werden könnte?“ Auf Karten verschriftlichten die Teilnehmenden ihre vielfältigen Anregungen. Für sie selbst bleibt die Kirche wichtig in ihrer sozialen Funktion, als Heimat, als Zusammenhalt der Christen, auch mit der Sakramentenspendung, mit Gesang und Musik und den Gottesdiensten als Kraftquelle.

Unter den zahlreichen Anregungen zur Attraktivität der Kirche gerade für Suchende und neu Interessierte gefielen mir Formulierungen wie: „Kirche und Glauben müssen als ‚Ladestationen‘ für das Leben verdeutlicht werden“ oder „Die Feier der Sakramente (Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit) und auch Beerdigungen können ‚Andock-Punkte‘ sein, um zu spüren, dass man immer noch zur Kirche gehört und unter Umständen wieder neugierig machen“ und schließlich „Mehr Offenheit, mehr Lebensfreude, Lust am Glauben vermitteln“.

Kinder- und Jugendarbeit

Auch im Arbeitskreis „Kinder- und Jugendarbeit“ standen „die guten Erlebnisse mit Glauben und Kirche“ im Mittelpunkt der Gespräche. Die Teilnehmenden sind überzeugt, dass hier im Süden von Gelsenkirchen die gute Jugendverbandsarbeit (besonders Pfadfinder) sowie die Ministrantenarbeit sich sehen lassen können. Sie betonen auch: „Die der Jugend zur Verfügung gestellten Räume werden intensiv durch Gruppenstunden genutzt und sind damit auch gut ausgelastet.“

Die spirituellen Angebote von GleisX werden für wertvoll erachtet. Daher sei es in Zukunft, auch im Blick auf die Kapazitäten, kontraproduktiv, diese Angebote in einzelnen Gemeinden oder pfarreiweit zu planen oder anzubieten. Man brauche zukünftig gute, positive Berührungspunkte ohne Rekrutierungsabsichten (touch and go). Dabei dürfe aber nicht übersehen werden, dass die Verbandsarbeit in den Gemeinden auf Kontinuität angewiesen sei.

Pastorale Außenstellen

Die Arbeitsgruppe „Pastorale Außenstellen“ beschäftigte sich vor allem mit den Kriterien und Möglichkeiten für das Ehrenamt in unseren Institutionen. Überalterung und Zeitmangel werden die Kirche und die Gemeindearbeit verändern. Wie wird dann das „katholische“ Profil gesichert? Ehrenamtliches Engagement benötigt noch mehr als heute Struktur, Organisation und finanzielle Mittel. Zu den vielen Themen, an denen noch gearbeitet wird, gehört auch die Frage, in welchen Bereichen der Institutionen (Krankenhaus, Kinderheim, Altenheim usw.) ehrenamtliche Arbeit möglich und für die Interessenten bereichernd ist.

Citypastoral

Im Arbeitskreis „Citypastoral“ nahmen die Teilnehmenden den Blickwinkel der Menschen in der Gelsenkirchener Innenstadt ein und stellten die Fragen „Was suchen die Menschen in der offenen Propsteikirche?“ und „Was suchen die Menschen im Kirchenladen?“ Die zusammengetragenen Antworten werden zu neuen Akzenten führen. Neue Projekte scheinen vor allem an verkaufsoffenen Sonntagen sinnvoll. Hier soll am 2. Oktober (Bauernmarkt), am 6. November (1000 Lichter) und ggfs. auch am 4. Dezember (Weihnachtsmarkt) einiges ausprobiert werden.

Als „roter Faden“ für die Gespräche und Beratungen der Arbeitsgruppe sollen weiterhin die Überlegungen aus der Sinus-Milieu-Studie gelten, z.B. mit den Fragen: „Wie erreiche ich Menschen aus den unterschiedlichen Milieus?“ „Kann ich bestimmte Menschen überhaupt erreichen – vor allem mit der religiösen Botschaft der Kirche?“ „Wo beginnt und endet die christliche Berufung der Citypastoral?“ „Wie können die Menschen – auch im Rahmen von Aktionen der Stadt – in der Innenstadt mit kirchlichen Angeboten angesprochen werden?“

Muttersprachliche Gemeinden

Im Arbeitskreis „Muttersprachliche Gemeinden“ war die neue Verantwortliche unseres Bistums für diesen Bereich, Frau Anja Funk, zu Gast. Sie will auch zukünftig engen Kontakt zur Gruppe halten. Beim dritten Treffen war der Fokus besonders auf die polnische Gemeinde gelegt, die sich in den Räumen der Gemeinde Hl. Familie regelmäßig trifft. Viele soziale und pastorale Aktivitäten wurden vorgestellt, die vor allem Kindern und Jugendlichen gute Möglichkeiten bieten.

Koordinierung

Die Gruppensprecher der PEP-Arbeitsgruppen trafen sich auch mit der Koordinierungsgruppe zu einem Gedankenaustausch. Ebenfalls gab es ein Treffen der Koordinierungsgruppen von St. Augustinus und St. Joseph/Schalke. Wichtig bleibt der ständige Gedankenaustausch und die gegenseitige Information mit weiteren kirchlichen und gesellschaftlichen Gruppierungen.

Vorläufiger Stand

Angesichts der vielen positiven Eindrücke, die das genaue Hinsehen auf die Situation in unserer Pfarrei vermittelt, bleiben die Problemfelder des „Kleinerwerdens“ insgesamt und des geringeren Nachwuchses in manchen Bereichen. Die demografische Entwicklung und manche strukturellen Gegebenheiten, legen die Fortschreibung dieses Trends nahe. Darum können und werden wir uns mit einem „weiter so“ nicht zufrieden geben. Die neuen Möglichkeiten, die erarbeitet werden, die Berücksichtigung der vom Bistum vorgegebenen, mittelfristigen Sparziele, werden uns in die Lage versetzen, die in unserer Pfarrei bestehenden Strukturen und Angebote zu überprüfen und für die Zukunft tragfähig anzupassen.

Institutionelles Schutzkonzept beschlossen

Mit dem genauen „Hinsehen“ hat – parallel zum PEP – auch die Präventionsarbeit in unserer Propsteipfarrei zu tun. Unter Leitung von Frau Dorothe Kellner haben Hauptamtliche und Ehrenamtliche aus Pfarrei und Gemeinden in den letzten Monaten intensiv am neuen Schutzkonzept gearbeitet. Alle gemeindlichen Räume (Kirchen, Gemeindezentren) wurden in Augenschein genommen, Zugänge und Schlüsselfragen geprüft und Kontakte zu allen Ehrenamtlichen Gruppierungen gesucht.

Das Ergebnis: Es wurde ein 41-DIN A4 Seiten umfassendes „Institutionelles Schutzkonzept“ erarbeitet, das der Kirchenvorstand am 16. Juni verabschiedet hat. Es wird nun die Grundlage der Präventionsarbeit in unserer Propsteipfarrei sein wird. Das Herzstück bildet ein Verhaltenskodex, der hier nebenstehend veröffentlicht ist. In ihm ist die für alle haupt- und ehrenamtlich Mitwirkenden in unseren Gemeinden verbindlich geltende Haltung festgeschrieben, nach der wir den Umgang untereinander und miteinander pflegen. Alle in der Propsteipfarrei Mitarbeitenden sollen diesen Verhaltenskodex durch ihre Unterschrift anerkennen.

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