Neues vom Pfarreientwicklungsprozess

von Propst Manfred Paas Pfarrei | #pep

Der Pfarreientwicklungsprozess hat zahlreiche, engagierte Menschen aus allen Altersgruppen in diesem Jahr mehrfach zusammengebracht. Manchmal gab es emotional betonte Gespräche, häufig interessante Anregungen, zuweilen auch Ratlosigkeit. Nun endet die Phase des Hinsehens auf das, was pastoral gut oder weniger stabil ist. Bereits in der letzten Ausgabe der LEBENSBAHNEN konnte ich viele Aktivitäten und Anregungen würdigen.

Für die Gespräche in den vergangenen Spätsommer- und Herbstmonaten war ein Brief unserer Koordinierungsgruppe wichtig, der bei den Mitgliedern der Arbeitsgruppen Aufmerksamkeit fand. Darin wurden im Blick auf die Gemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfelder die Fragen gestellt:

  • Was kann bleiben, von dem was ist?
  • Können und werden wir es aus eigener Kraft schaffen?
  • Wo entsteht etwas neu? Wie können wir es fördern?
  • Woraus wird etwas auf Dauer wohl nichts? Was meinen Sie, führt dazu?
  • Wird/Sollte dieses oder jenes so noch zehn Jahre weitergehen?
  • Welches sind die „blinden Flecken“ unserer Pastoral? Mögliche Initiativen?

 Schließlich sollten vier Unterscheidungen gewählt werden:

  • Was tun wir für die regelmäßigen Gottesdienstteilnehmer/-teilnehmerinnen?
  • Was tun wir für diejenigen, die einzelne Angebote annehmen oder sich für etwas engagieren?
  • Was tun wir für die, die bewusst zur Kirche gehören wollen und nicht austreten wollen?
  • Was tun wir im gesellschaftlichen Kontext gemeinsam mit anderen – auch nicht kirchlichen – Institutionen für die Menschen vor Ort? 

Aus den Gruppen gibt’s im Einzelnen folgendes zu berichten:

 

Pastorale Erlebensorte

Die Gruppe "pastorale Erlebensorte" hatte sich ja bereits mit der Frage beschäftigt: "Was brauchen wir für kirchenferne Menschen?" Antworten waren: "Lade- oder Andockstationen für das Leben" (z.B. über Kultur, über religiöse Zeichen oder die Sakramente); als wichtig wurden der persönliche Kontakt zu Suchenden und Interessierten genannt, sowie die Möglichkeiten, über den Glauben zu sprechen. Konkret ging es um Ehevorbereitungskurse, Vorbereitungen in Gruppen für Taufen, für das Patenamt, um Trauerbegleitung in Trauergruppen oder einem Trauercafé, um Anlaufstellen und Gruppentreffen in Lebenskrisen.

Hier sollte gemeindeübergreifend gehandelt werden: Was ist in der Pfarrei sinnvoll und realisierbar – was passt besser auf die Stadtkirchenebene? Eine pfarreiübergreifende Terminübersicht kann die Vernetzung untereinander optimieren. Eine Zusammenlegung von Chören könnte ein Mehrwert sein. Die sonntäglichen Messen werden als notwendig angesehen. An die Stelle von manchen Werktagsmessen könnten auch Wort-Gottes-Feiern treten.

Aus der Erfahrung von "Tandempfarreien" (zwei Gemeinden arbeiten zusammen, Gottesdienste sind nicht parallel, Vielfalt wird begrüßt, Winterkirche – Sommerkirche usw.) werden Vorschläge eingebracht. Auch Pfarrer und weitere Priester könnten/sollten im Rotationsverfahren Gottesdienste in verschiedenen Gemeinden feiern. Nicht überall gelingt noch eine gute Fronleichnamsfeier; das Fest mit Prozession zentral zu feiern, könnte auch eine Möglichkeit des "Zusammenwachsens" sein.

Denkanstöße aus anderen Städten werden begrüßt: z.B. die Ü30-Kirche (zeitaktueller Sonntagsabendgottesdienst mit anschließender Begegnung / Kunst/ Kabarett) oder ein "Workshop Krippenbau", evtl. mit Krippenausstellungen und pastoralem Impuls. Auch wurden als Möglichkeiten besondere Gottesdienstformen genannt, etwa Gottesdienste für "Zweifler"/Fernstehende (wie sie seit langem als "Thomasmessen" in der evangelischen Altstadtkirche von Gelsenkirchen üblich sind), Gottesdienste für Schwangere bzw. werdende Eltern, Gottesdienste oder/und Treffen der Täuflinge eines Jahres (vgl. Familienkirche für Eltern und Kinder unter drei Jahren, wie sie regelmäßig von St. Augustinus im St. Vinzenz-Haus und den Kindergärten angeboten werden), Gottesdienste für Trauernde, gemeinsame Gottesdienste bei Ehejubiläen (vgl. im Dom zu Münster).

 

Kinder- und Jugendarbeit

Dem Arbeitskreis "Kinder- und Jugendarbeit" war es wichtig, über die Pfarreigrenze hinauszuschauen, Kontakt zu den Nachbarpfarreien St. Joseph Schalke, St. Gertrud Bochum-Wattenscheid und St. Nikolaus Essen-Stoppenberg zu suchen, ebenso in der Ökumene zur Ev. Emmaus-Gemeinde. Von letzter berichtete in einer Sitzung der ev. Pfarrer Neuhaus über Angebote und Aktionen aus seiner Kirchengemeinde für Kinder und Jugendliche. Ein Zusammentreffen auf ökumenischer Ebene wurde angedacht –   Möglichkeiten sind bei einem ev. Jugendgottesdienst (z.B. in Rotthausen) oder einer Gleiszeit in der Neustadt. Gegenseitig sollen besondere Termine einander mitgeteilt werden, damit "Ökumene" auf der Ebene der Jugend (16 bis 25 Jahre) möglich wird.

 

Pastorale Außenstellen

Mit einem Planspiel "Zukunftsreise ins Jahr 2030" stieg der Arbeitskreis "Pastorale Außenstellen" in die weitere Arbeit ein und entwickelte interessante Perspektiven. Gerade für die vielen sozialen Einrichtungen der Pfarrei (Krankenhaus, Heime, Kindergärten, "Suppenküche" usw.) wird die ehrenamtliche Mithilfe unverzichtbar sein und bedarf einer übergeordneten Stelle (Ehrenamtskoordinator). Auch wird es erforderlich sein, nicht mit den gewohnten Methoden nach Ehrenamtlichen zu suchen, sondern z.B. besser über Ehrenamtsagenturen, Zeitungen und Internet. Dabei müssen die konkreten Profile der Dienste benannt werden. Ein Beispiel für eine Ausschreibung möge den Plan erläutern:

Institution:
St. Vinzenz-Haus (Alten- und Pflegeeinrichtung)
Aufgabe:
Begabtenförderung
Beschreibung:
Im Angesicht des relativ hohen Anteils von Menschen mit dementieller Veränderung  kommen andere in der Betreuung zunehmend zu kurz. Wir suchen von daher
Frauen und Männer, die in einem direkten Bezug zu einer Person, sich regelmäßig 1 /Woche mit ihr verabredet und etwas unternimmt, was sonst nicht möglich wäre. Essen gehen, Konfektion einkaufen, Theater-Kino-Besuch, Teilnahme an Sportveranstaltungen o.ä. Entscheidend ist immer der Wille der/des Bewohnerin/Bewohners. Damit die zu betreuende Person nicht enttäuscht wird legen Sie sich für ein Jahr fest, diesen Dienst zu leisten.
Leistung:
Sie bekommen eine feste Ansprechpartnerin im Betreuungsdienst, die Sie begleitet. Sie sind  umfänglich versichert (wie Mitarbeitende), können in der Einrichtung sich verköstigen und erhalten Fahrgeld.
Ansprechpartner/in:
Frau/Herr N.N.

Schließlich hat diese Gruppe eine detaillierte Liste erarbeitet, welche Dienste durch begleitete ehrenamtlich Mitarbeitende übernommen werden könnten: im Wilhelm-Sternemann-Haus, in den Kindergärten, im Marienhospital Gelsenkirchen, im Sankt Marien-Hospital Buer, im Kinderheim St. Josef, im St. Vinzenz-Haus, im Elisabethhaus und im Liebfrauenstift.

 

Citypastoral

Nach der Neugestaltung des Heinrich-König-Platzes sowie des Neumarkts wächst die  Bedeutung der offenen Propsteikirche (werktags von 9:00 bis 18:00). Darüber hinaus ist das geplante Projekt der "offenen Kirche" am Sonntagnachmittag (mit Programm) gut angelaufen. In Zusammenarbeit mit dem Referat für missionarische Pastoral in unserem Bistum und einer wissenschaftlichen Begleitung durch das Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP) von der Uni Bochum soll das Gelsenkirchener Konzept der Citypastoral nun weiterentwickelt werden. Dabei sind der "Kirchenladen" und die "offene Propsteikirche" als Orte "gesetzt". Ein Fürbittbuch sowie Bitt- und Dankeskarten könnten neue Elemente in der Propsteikirche sein. Es sollen aber auch weitere citynahe Orte für pastorales Engagement ausprobiert werden. Schließlich scheint ein noch engerer Kontakt mit Institutionen der Stadt Gelsenkirchen, insbesondere der Ehrenamtsagentur, sinnvoll. Zudem wird die Frage aufgeworfen, ob eine Arbeitsgruppe sich des Themas "Schulpastoral" annimmt.

 

Muttersprachliche Gemeinden

Ziel der muttersprachlichen Gemeinden ist es, weiterhin in der St. Augustinus-Pfarrei zu verbleiben. Sie leisten einen großen Dienst zur Integration und können ein Motor sein für das Miteinander von Gläubigen verschiedener Herkunft. Angesichts aktueller und noch zu erwartender Zuwanderung sowie der Vermittlung zwischen den Kulturen gewinnen sie noch an Bedeutung. Die muttersprachlichen Gemeinden haben im Süden von Gelsenkirchen keinen "Gäste-Status", sondern sehen sich als Teil der Pfarrei St. Augustinus. Auf diesem Hintergrund hat die Arbeitsgruppe den zweiten Frageblock des Briefs der Koordinierungsgruppe mit klaren Angeboten ihrer Gemeinden beantwortet.

 

Fazit

Auch in dieser (letzten) Phase des Hinsehens sind noch ein paar beachtenswerte Hinweise und Anregungen in unseren Prozess eingeflossen. Von Propst Sternemann, der vor mehr als 20 Jahren an St. Augustinus verantwortlich war, wird bis heute berichtet, dass er bei jedem guten Vorschlag die Frage stellte: "Wer macht’s?" Diese Frage bleibt aktuell.

Zudem gilt, was in der Arbeitsgruppe "Pastorale Erlebensorte" noch einmal knapp formuliert wurde: "Die Kirche ist in einem gesellschaftlichen Umbruch, wir sind nicht mehr Volkskirche, die Akzeptanz wird immer geringer, die Besucherzahlen ebenso. Die finanziellen Spielräume werden geringer, es müssen Einsparpotenziale von 30 bis 50% realisiert werden." Genau deshalb darf Neues mutig ausprobiert werden. Konkret sind aber auch Vorschläge zur Einsparung von oder an Gebäuden wichtig, denn sie sind der weitaus größte Kostenfaktor in der Pfarrei.

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