PEP – auf dem Weg zum Votum

von Manfred Paas Pfarrei | PEP

Nach der Phase des „Sehens“ im Pfarreientwicklungsprozess (PEP), die in drei Ausgaben der „Lebensbahnen“ 2016 dargestellt wurde, gilt es nun, die seit fünf Jahren geleistete Arbeit für das Votum des Kirchenvorstands (KV) und des Pfarrgemeinderates (PGR) an unseren Bischof zusammenzufassen.

Eine Übersicht kann folgendes festhalten: 

Zukunftsplanung der Propsteipfarrei St. Augustinus, Gelsenkirchen   2012 - 2015

Beginn – Arbeitsgremium:

Bereits im Jahr 2012 wurde eine Arbeitsgemeinschaft „Pfarrei 2020" zur Zukunft unserer Pfarrei gegründet. Die AG setzte sich zusammen aus zwei Vertretern des Generalvikariats, Herr R. Preiss-Kirtz und Herr T. Tebruck, und jeweils drei Mitgliedern des Kirchenvorstands, des Pfarrgemeinderats und des Pastoralteams. Alle Gemeinden waren in der AG vertreten. So erfolgte die Zukunftsplanung von Anfang an in Abstimmung zwischen dem Bistum, den Ge­meinden und der Pfarrei und bot eine gute Voraussetzung für die gewünschte intensive Kommunikation der verschiedenen Ebenen und für die notwendige Transparenz.

 

Aufgabe:

Die AG sollte den Pastoralplan der Pfarrei fortschreiben und bei der pastoralen Planung die Nutzung der Kirchengebäude und Gemeindeheime, das zur Verfügung stehende Perso­nal und die geforderten Einsparungen im Pfarreihaushalt berücksichtigen. Bei aller Kreativität blieb auf diese Weise die pastorale Planung geerdet. Bis zur Wahl des neuen PGR 2014 sollte die Arbeit abgeschlossen sein.

 

Grundlagen der inhaltlichen Arbeit:

Neben den inhaltlichen Leitlinien, die im Dialogprozess des Bistums entwickelt und im „Zukunftsbild" zusammengefasst wurden, standen folgende Materialien zur Verfügung:

  • Bauberichte und Kostenberechnungen seitens des Bistums zu den Kirchengebäu­den und Gemeindeheimen;
  • Ebenfalls vom Bistum zur Verfügung gestelltes statistisches Material zur Entwicklung der Katholikenzahl, des Gottesdienstbesuchs und Sakramenten-Empfangs, des pasto­ralen Personals etc.;
  • Ergebnisse der von den deutschen Bischofkonferenz in Auftrag gegebenen Sinus-Milieu-Studie;
  • Raumübersichten aller Gemeinden der Pfarrei, differenziert nach Zeiträumen, Häu­figkeit der Veranstaltungen, Teilnehmerzahlen und Altersstruktur;
  • Übersichten aller Gemeinden zu ihren pastoralen Strukturen, Aktivitäten und Schwerpunkten.

 

Arbeitsweise der AG „Pfarrei 2020“:

Die AG traf sich drei- bis viermal im Jahr, z.T. in den verschiedenen Gemeinden. An die­sen Sitzungen nahmen neben den Mitgliedern der AG auch Vertreter der jeweiligen Gemein­de teil. Durch diese Form der Treffen konnte die AG über das statistische Material hinaus die Räumlichkeiten und vor allem die Vorstellungen und Pläne der Gemeindemitglieder zur Zu­kunft der eigenen Gemeinde und der Pfarrei genauer kennen lernen. Außerdem wurden auch auf diese Weise die Gemeinden intensiver in den Beratungs- und Planungsprozess ein­bezogen.

 

Weitere Bausteine des Planungsprozesses:

  • Die Arbeit der AG „Pfarrei 2020" war Tagesordnungspunkt auf allen Sitzungen des PGR. Damit wurde u.a. die Absicht verfolgt, die entsprechenden Informationen und Überlegungen auch in den einzelnen Gemeinderäten zur Sprache zu bringen.
  • 2014 befasste sich der gemeinsame Klausurtag von Kirchenvorstand und Pfarr­gemeinderat mit der Pfarreientwicklung. Neben der Vorstellung von Grunddaten zur wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung der Pfarrei von 2012 bis 2013, wurden erste Lösungsvorschläge für die Finanzentwicklung und Gebäudenutzung in den Gemeinden entwickelt und Überlegungen zu den pastoralen Schwerpunkten an­gestellt.
  • Ebenfalls 2014 trafen sich alle Gemeinderäte und der Pfarrgemeinderat. Bei dieser Veranstaltung ging es insbesondere um die spezifische Rolle der Gemeinderäte im Planungsprozess und um die unterschiedlichen pastoralen Schwerpunkte in den Ge­meinden und auf der Ebene der Pfarrei.
  • Besichtigung der Kirche St. Maria Heimsuchung, Herten, um sich über die Möglichkeit des Umbaus einer Kirche mit dem Ziel ihrer multifunktionalen Nutzung zu informie­ren.

 

Pfarreientwicklungsprozess (PEP)   2015 - 2017

Mit dem Pastoralplan (2009 in Kraft gesetzt) und dem dargestellten bisherigen Weg der Zu­kunftsplanung bestand eine gute Basis für den nun folgenden vom Bistum initiierten Pfarrei­entwicklungsprozess. Den offiziellen Beginn hierfür bildete die Pfarreikonferenz am 21.April 2015. An ihr nahmen die Mitglieder des Pastoralteams, des Pfarrgemeinderats, des Kirchen­vorstands und von Seiten des Bistums der Generalvikar Pfeffer, Frau Winter-Riesterer und Herr Hols teil. Auf dieser Konferenz wurde neben den organisatorischen, strukturellen und finanziellen Fragen die spirituelle Dimension des Prozesses zur Sprache gebracht. In den kommenden Jahren sei vor allem die Frage zu klären, wie wir auch künftig eine lebendige Kirche sein können.

Um möglichst viele Menschen in den PEP einzubinden und dafür zu sorgen, dass die an ihm Beteiligten nach Möglichkeit die Vielfalt der Pfarrei repräsentieren, wurden Interessierte aus allen Gemeinden zu einer ersten Pfarreiversammlung am 29. Oktober 2015 eingeladen. Auf ihr haben die zahlreichen Teilnehmenden ihre Vorstellungen und Anregungen diskutiert und schriftlich festgehalten. Diese bildeten somit eine weitere Grundlage für die folgende Arbeit.

Auf der gemeinsamen Klausurtagung von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand am 14. November 2015 wurde dann unter der Moderation von Herrn Walter Schäfer, dem durch uns vom Bistum erbetenen Prozessbegleiter, die weitere Organisation und der zeitliche Ablauf des PEP beschlossen.

 

Koordinierungsgruppe (KG):

Stimmberechtigte Mitglieder der KG sind Herr Hermandung und Herr Utsch als Vertreter des Pfarrgemeinderats, Herr Krentzek und Herr Wohlgemuth als Vertreter des Kirchenvorstands und der Pfarrer Propst Paas. An den Sitzungen der KG nehmen außerdem der Verwaltungs­leiter der Pfarrei Herr Schmidt-Kuhl und außerdem Frau Haak als Prozessassistentin teil, zumeist auch Herr Schäfer als Prozessorganisator. Seitens des Bistums ist der KG Herr Geisler für Finanz- und Immobilienfragen zugeordnet.

Die KG traf sich im Durchschnitt ca. alle sechs Wochen. Drei Sitzungen fanden gemeinsam mit den Leitern/Leiterinnen der Arbeitsgruppen statt. Dadurch war ein zeitnaher inhaltli­cher und organisatorischer Austausch gewährleistet. Zu einer Sitzung kamen zwei Vertreter des BDKJ, um vor allem zu unterstreichen, wie notwendig die Berücksichtigung der Per­spektiven und Anliegen der Jugend sei.

Die Protokolle der Arbeitsgruppen waren immer Inhalt der Gespräche in der KG. Außerdem gab es schriftliche Mitteilungen der KG an die Gruppen, um gegebenenfalls deren Arbeit zu unterstützen oder zu strukturieren. Die KG achtete darauf, nicht in die Arbeit der Arbeitsgrup­pen „hineinzureden". Die Mitglieder der KG nahmen daher auch nicht an deren Sitzungen teil.

 

Arbeitsgruppen (AG):

Bei der Zusammensetzung der AGs wurde darauf geachtet, eine möglichst umfassende Repräsentanz der verschiedenen Institutionen und pastoralen Orte zu erreichen. Außerdem sollten nach Möglichkeit auch solche Personen für die Mitarbeit gewonnen werden, die bisher noch nicht in kirchlichen Organisationen eingebunden waren. Beides gelang je nach AG nur in begrenzter Weise. Die besonders wichtige Einbindung junger Christen in den Zukunfts-prozess wurde vor allem durch die Bildung einer eigenen AG „Kinder- und Jugendpastoral" versucht zu gewährleisten.

Die ersten Treffen der 5 Arbeitsgruppen fanden im Januar 2016 statt. Die pastoralen Schwerpunkte und die besonderen Strukturen der Pfarrei bildeten die Grundlage für ihre Ein­richtung. Es gab folgende AGs:

  • City-Pastoral (Kirche mitten in der Stadt)
  • Pastorale Erlebensorte (in Pfarrei und Gemeinden)
  • Pastorale Außenstationen (Sozialeinrichtungen, Caritas)
  • Muttersprachliche Gemeinden
  • Kinder- und Jugendpastoral (Jugendkirche Gleis X)

Zu Beginn ihrer Arbeit wurden den AGs zwei innerhalb der KG erarbeitete Papiere zur Verfü­gung gestellt. Einmal zu „Zeit-Signaturen als Zeichen der Zeit'". Hierbei ging es u.a. um gesellschaftliche, ökonomische, politische und geistig-religiöse Rahmenbedingungen, die bei den Überlegungen mitbedacht werden müssen, um zu zeitgemäßen Ergebnissen bei der Planung der kirchlichen Zukunft zu gelangen.

Zum anderen ging es um Leitfragen zu Methoden und Inhalten der Gespräche in den AGs und um Kriterien für die Beurteilung sowohl des Status quo als auch des Entwurfs einer zu­kunftsfähigen Kirche/Pfarrei. In beiden Papieren spielten nicht zuletzt theologische Aspekte eine Rolle, um so den PEP als einen geistig-religiösen Prozess zu ermöglichen bzw. zu un­terstützen.

Die AGs waren nämlich von der KG ausdrücklich gebeten worden, zunächst nicht über „Steine und Geld" zu sprechen, sondern sich in aller Offenheit und Kreativität sowohl mit der pastoralen Situation als auch mit neuen Wegen in Pfarrei, Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen zu beschäftigen.

Die AGs trafen sich zwischen Januar 2016 und der Abfassung ihrer Voten Ende 2016/Anfang 2017 6- bis 8-mal.

 

Kommunikation:

Neben der beschriebenen Kommunikation zwischen KG und AGs wurde der PEP der breite­ren kirchlichen Öffentlichkeit durch regelmäßige Berichte über die Arbeit der KG und der AGs im Magazin „Lebensbahnen" zur Kenntnis gebracht; Informationen zum PEP lieferte auch die Homepage der Pfarrei. Wie schon in der Phase der Zukunftsplanung zwischen 2012 bis 2015 stand auch der PEP immer auf der Tagesordnung des Pfarrgemeinderats und des Kirchenvorstands. Beide Gremien waren somit nicht nur über den Fortgang der Überlegun­gen informiert, sondern haben entsprechend ihrem Zuständigkeitsbereich Einfluss auf den PEP genommen. Außerdem war der Prozess regelmäßig Inhalt in den Informationsorganen der einzelnen Gemeinden, immer wieder auch Thema bei den Sitzungen der Gemeinderäte oder bei Veranstaltungen auf Gemeindeebene.

Darüber hinaus suchten die AGs immer wieder den Kontakt zu ihren jeweiligen pastoralen Bereichen, um die Meinungen, Vorstellungen und Hoffnungen der direkt Betroffenen besser kennen und verstehen zu lernen.

 

Leitbild

Aus den Ergebnissen der Arbeitsgruppen ließ sich ein gemeinsames Leitmotiv unserer Propsteipfarrei entwickeln, das derzeit Grundlage der Gespräche von Pastoralteam, -konferenz und Pfarrgemeinderat ist. Es kann lauten: „Mit Christus – nahe bei den Menschen“

In Anbindung an das Zukunftsbild des Bistums Essen wollen wir uns im Leitbild/Leitmotiv unserer Pfarrei für „Nähe“ als zentrale Dimension der Pastoral entscheiden.

 

Begründung:

Nähe ist nicht nur die Voraussetzung jeden - den Menschen berührenden, das Evangelium nahebringenden und darin „wirksamen" - pastoralen Bemühens. Zugleich ist sie auch An­spruch und Maßstab kirchlicher Praxis - und daher gleichsam ihre „Methode" bzw. Erken­nungszeichen. Schließlich beinhaltet sie bereits anfanghaft das Ziel der Lebens-, Glaubens­-und Hoffnungsperspektive der einzelnen Gläubigen und ihrer Gemeinschaft, der Kirche: Reich Gottes als endgültige Nähe bzw. Einheit mit Gott, der Menschheitsfamilie und der gesamten Schöpfung.

 

Erläuterung:

„Nähe“ bezeichnet und umfasst eine seelisch-geistige, physische und räumliche Wirklich­keit. Diese zwar unterscheidbaren und verschiedenartigen Bereiche der einen Wirklichkeit dürfen allerdings nicht voneinander getrennt werden.

 

In der Diskussion um den Pfarreientwicklungsprozess und den in diesem Zusammenhang vorgetragenen Lösungsansätzen zu den zukünftigen Strategien und Strukturen entsteht aber häufig der Eindruck, dass vor allem die räumliche Dimension der Nähe in ihrer Bedeu­tung unterschätzt oder gar übersehen wird. Doch die räumliche Nähe, z.B. in der wohnorts­nahen Gemeinde, ist zwar nicht die unerlässliche Bedingung für jede Form pastoraler Be­gegnung; sie behält aber ihre besonderes Gewicht für die alltägliche und sonntägliche Be­gegnung der Gläubigen als Gemeinde - und deren Miteinander mit ihrem säkularen Umfeld und ihren säkularisierten Mitbürgern. Dies gilt gerade für die den Glauben und das Christ­sein betreffenden Erfahrungen der seelisch-geistigen Dimension bzw. Beheimatung.

Durch strukturelle Veränderungen in Gemeinden und Pfarreien sind also nicht nur äußere Räume betroffen, sondern „Binnen-Räume" der Menschen. Wenn man den hier aufgezeig­ten Zusammenhang ignoriert oder ihm ein zu geringes Gewicht zumisst, wird einem dualis­tischen und damit letztlich inhumanen Menschenbild mit allen negativen Konsequenzen – bei aller Beschwörung eines „christlichen Menschenbildes" – Vorschub geleistet.

 

Konkretisierungen

Dieses Leitmotiv soll konkretisiert werden durch die Akzente der PEP-Arbeitsgruppen und durch die Darstellung der notwendigen Räume für eine lebendige Pfarrei.

Der Kirchenvorstand hat durch den Verkauf der Gebäude neben der Hl. Kreuzkirche an die Stadt Gelsenkirchen (siehe Artikel in dieser Ausgabe) sowie des kath. Stadthauses an den Caritasverband GE zu Anfang des Jahres weitere Grundlagen zur wirtschaftlichen Sicherung geschaffen. Zudem wurden Gespräche mit dem KiTa-Zweckverband, der Caritas und weiterer Träger von Sozialeinrichtungen geführt, um mögliche Konzentrationen in anderen Bereichen berücksichtigen zu können.

Manfred Paas