DER HERR ABER SIEHT DAS HERZ

Gemeinde St. Augustinus

Liebe Mitchristen,

kennen Sie den „Schrank II“? Er befand sich einst auf einer Empore der Dresdener Hofkirche. Er war eine Art Archiv und enthielt eine große Sammlung von Originalen und Abschriften von Werken bedeutender Komponisten des 18. Jahrhunderts, unter anderem von Vivaldi, Händel und Telemann.

Lange Zeit wusste niemand, welche Schätze dieser schlichte Schrank beherbergt hat, bis der damalige Hofkapellmeister Rietz ihn Mitte des 19. Jahrhunderts durch Zufall geöffnet hat.
Diese unscheinbare Schatzkiste, die keiner wahrgenommen hat, erinnert mich an die Geschichte aus dem Alten Testament, die an diesem Wochenende in den Gottesdiensten gelesen wird (1 Samuel 16,1b.6-7.10-13b). Samuel, ein Prophet Gottes soll einen König salben. Er soll aus der Familie Isai stammen, die in Bethlehem lebt. Samuel macht sich auf den Weg. Bald ist er bei Isai angekommen, und Isai stellt ihm seine Söhne vor. Samuels Blick fällt sofort auf den ältesten Sohn, einen stattlichen Mann – den kann er sich gut als König vorstellen. Doch da hört er Gott reden: Lass dich nicht von seinem Äußeren täuschen, er wäre kein guter König. Nach und nach treten auch all die anderen vor Samuel hin, doch keinen erwählt Gott. Schließlich ist nur noch einer übrig, der jüngste, der, der die Schafe hütet. Isai lässt ihn holen. Und tatsächlich, er ist es, den Gott ausgewählt hat. „Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“ (1 Sam 16,7).

Ich muss gestehen: Mir geht es oft so wie dem Propheten Samuel. Ich schaue erst mal nur auf das Äußere eines Menschen. Und dabei habe ich mich so manches Mal schon ziemlich getäuscht. Wie oft habe ich den wahren Schatz eines Menschen erst entdeckt, wenn ich ihn näher kennengelernt habe. Die Geschichte lehrt mich, ein wenig vorsichtiger umzugehen mit dem ersten Augenschein. Sie tröstet mich aber auch. Denn sie sagt mir: Gott begnügt sich nicht mit dem äußeren Augenschein. Er sieht den ganzen Menschen, mit seiner äußeren Erscheinung und seinen inneren Werten. Er schaut auch Ihnen und mir ins Herz.
Er wird dabei vermutlich auch manches entdecken, aus dem er etwas Großes machen kann.

Ihr Pastor Mirco Quint.

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