Franziskaner-Minoriten in Gelsenkirchen-Ückendorf

Gemeinde St. Josef

Bevor wir Franziskaner-Minoriten im Jahr 1993 nach Gelsenkirchen kamen, wirkten hier 17 Jahre lang die Franziskaner (OFM) aus Schlesien. Damit gibt es an der Kirche St. Josef eine lange franziskanische Tradition, die wir in den vergangenen Jahren mit jeweils drei bis vier Brüdern im Konvent fortzuschreiben versucht haben.

Die Veränderungsprozesse von Gesellschaft und Kirche in Deutschland haben auch vor unserem Kloster nicht Halt gemacht: aus der ursprünglich selbstständigen Pfarrei St. Josef wurde ein Teil einer Großpfarrei. Statt eigenverantwortlich arbeiten die Brüder nun in einem größeren pastoralen Team. Der Pfarreientwicklungsprozess im Bistum Essen hat uns in den letzten Jahren sehr beschäftigt. Es wurde uns immer klarer: St. Josef wird geschlossen. Damit wurde für uns auch die Frage drängend: Wollen wir ein Kloster haben, das keine Kirche mehr hat? Für uns ein schwer vorstellbarer Gedanke.

Seit über einem Jahr sind wir im Gespräch mit dem Bistum bzw. mit der Pfarrei. Die Frage unsrer Zukunft in Gelsenkirchen war/ist ein komplexes Thema; viele Facetten gibt es zu berücksichtigen. Es war von Anfang an klar, dass ein möglicher Weggang keine einfache Entscheidung sein würde, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Unser Orden wirkt weltweit und hat eine Vision und eine Vorstellung der Zusammenarbeit der Franziskaner-Minoriten in Westeuropa. Auch unsere Danziger Provinz muss sich mit knapp 40 Klöstern in vielen verschiedenen Ländern neu aufstellen, Projekte entwickeln und durchführen, neue Schritte wagen und manchmal auf manche Projekte verzichten. In gewissem Sinn gibt es auch im Orden bzw. in der Provinz einen „Pfarreientwicklungsprozess“, bei dem die Brüder ihre Zukunft planen, gestalten und auf Ressourcen schauen müssen. Auch der Mangel an Berufungen spielt immer mehr eine Rolle und das dürfen wir nicht unterschätzen.

Eine Alternative, die in den letzten Monaten bedacht wurde, wäre ein franziskanisches Projekt an der Kirche St. Thomas Morus. Nach einem Umbau könnten wir dahin umziehen und uns weniger mit der traditionellen Seelsorge beschäftigen und mehr etwas Neues entwickeln und aufbauen. Da kamen natürlich die Fragen auf: Wie lange würde das Bestand haben? Schaffen wir das wirklich? Nach der Prüfung dieses Vorschlags und in einem langen Prozess mussten wir uns entscheiden, ob wir bleiben können oder doch gehen. Die Mehrheit unseres Provinzkapitels hat nun dafür gestimmt, dass wir „im Lauf der nächsten vier Jahre Gelsenkirchen-Ückendorf verlassen“. Es war keine einfache Entscheidung. Der Abstimmungsprozess mit dem Bistum Essen ist derzeit noch im Gang. Es bedeutet nicht, dass wir gleich gehen werden! Wir wollen die Gemeinde noch in dieser Zeit der Vorbereitung auf die neue Zukunft begleiten und unterstützen. Abschiednehmen ist nämlich für beide Seiten nicht leicht.

Es ist uns auch bewusst, dass nun viele Gefühle hochkommen werden: Enttäuschung, Resignation, Traurigkeit, vielleicht auch Wut. Wir können das nachvollziehen… Viele von den Gemeindemitgliedern haben sich ja seit Jahren für das Gemeindeleben engagiert und damit auch uns Franziskaner-Minoriten geholfen. Das wissen wir zu schätzen.

Wir waren gern hier, sind gut verwurzelt. Zwischen Brüdern und Gemeindemitgliedern haben sich Freundschaften entwickelt. Wir blicken auf wunderbare Jahre und Jahrzehnte zurück. Viele schreiben uns momentan, wie schade es ist, dass unser Kloster aufgelöst wird. Doch bei alldem hoffen wir, dass bei uns und den Gemeindemitgliedern vor allem schöne Erinnerungen und Dankbarkeit bleiben. Wir sind davon überzeugt, dass es für unseren Glauben hier ein gutes Fundament gibt – und dass unser Glaube auch weiter bestehen wird.

Pater Christoph Robak, Guardian

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