Das Gebiet von Bulmke gehörte seit dem Jahre 800 zur Propsteikirche St. Gertrudis von Brabant in Wattenscheid. 1861 kam Bulmke zur Gemeinde St. Augustinus Gelsenkirchen.

Die Einwohnerzahl der Gemeinde Bulmke schnellte durch die industrielle Entwicklung in die Höhe. Im Jahre 1855 hatte Bulmke 112 Einwohner, aber schon 1900 waren es 11001. In dieser Zeit stieg natürlich auch die Zahl der katholischen Christen. In Bulmke waren 1841 nur 29 Katholiken ansässig, im Jahre 1900 schon 4500. Bei den Bulmkern wuchs natürlich der Wunsch nach einer eigenen Kirche.

Der erste Spatenstich fand am 2.Mai 1899 statt. 1901 wurde die Kirche mit einem Festhochamt feierlich eingeweiht. Die Kirche war aber zunächst nur eine große Kapelle, die Hälfte der späteren endgültigen Kirche, ohne Turm, nur mit einem großen Dachreiter in der Vierung. Bulmke wurde 1902 eine eigenständige Pfarrei.

Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges von 1914 – 1918, der darauf folgenden Besatzungszeit, der Inflationszeit und den damit verbundenen Nöten liegen aus unserem Archiv keine Berichte vor. Es ist im Zweiten Weltkrieg eine Menge an Informationsmaterial verloren gegangen. Der Erste Weltkrieg hatte das Leben in der Stadt und damit auch in Bulmke völlig verändert. Sieben Kriegsküchen, die ab 1914 vom Vaterländischen Frauenverein in Gelsenkirchen betrieben wurden, gaben Eintopfgerichte an Hilfsbedürftige für geringes Entgeld ab; so wurden 1917 über 9000 Portionen täglich ausgeteilt. Die fortschreitende Inflation traf mit der Besetzung des Ruhrgebiets 1923 durch französische und belgische Truppen zusammen. Der Grund soll der Verzug bei den Reparationsleistungen aus dem verlorenen Krieg gewesen sein. Im Juli 1925 zogen die Besatzungstruppen wieder ab. Nach Einführung der Rentenmark Ende 1923 kam die Wirtschaft langsam wieder in Gang. Jedoch schon 1929 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage erneut. Die wirtschaftliche und politische Entwicklung trieb auf die nationalsozialistische Machtübernahme durch Hitler zu.

In unserer Gemeinde wurden 1917 die vier Glocken vom Kriegsamt eingezogen. Am 18. und 19. Juni 1940 wurden durch eine Bombe sämtliche Fenster der Kirche zerstört. Anfang 1942 wurden die inzwischen wieder angeschafften drei großen Glocken beschlagnahmt. Eine Entschädigung erhielt die Pfarrgemeinde nicht. Am 5. November 1943 fiel ein Blindgänger in das Mittelschiff der Kirche, dabei wurde auch der Glockenturm stark beschädigt. Am 12./13. und 27. September 1944 richteten unzählige Zielmarkierungsbomben an der Kirche sehr schwere Schäden an. In der Bombennacht am 6. November 1944 wurde die Pfarrkirche fast total zerstört. Das Dach der Kirche wurde von Kanistern durchschlagen und in wenigen Minuten stand alles in Flammen. Am 5. und 19. März 1945 wurde die Kirche durch Volltreffer total zerstört.

Die desolate und verzweifelte Lage der Gemeinde Heilige Familie wurde in erhalten gebliebenen Briefen des damaligen Pfarrers Mathias Hohn an seine Verwandten hautnah beschrieben. Diese Dokumente sprechen für sich:

Gelsenkirchen-Bulmke, den 19. Dezember 1944

Meine Lieben!
Unter der eingestürzten Decke meines Pfarrbüros habe ich meine Maschine aufgebaut und schreibe Euch diese Zeilen. Es sind die ersten Notizen, die ich seit dem 6. November, dem Tag als über uns das jüngste Gericht hereinbrach, an jemand schreibe. Ich konnte nicht, da mir jede mögliche Gelegenheit es zwischen Trümmern zu tun, fehlte. - Ich teilte an Wilhelm und Evchen und Anna auf roten Karten mit, dass wir lebten. Ob sie ankamen, weiß ich nicht.
Meine Kirche ist total ausgebrannt, nur die angebaute Sakristei steht. Das Pfarrhaus ist stark gerissen, die Decken vor dem Einsturz. Es regnet uns unten in das einzige Zimmer, mein Arbeitszimmer, so dass ich mit der Schaufel das Wasser heraus schöpfen muß. Der Dachstuhl hat sich stark abgesetzt, die Schornsteine sind weg. Die Küche ist unbrauchbar, soweit sie noch überhaupt Küche genannt werden kann. Unsere Möbel sind fast alle in Stücke; die Trümmer habe ich unter einem Teppich zusammengestellt, Kleiderschränke besitzen wir nicht mehr. Zwei Trinkgläser und drei Tassen sind noch da. Die Wäsche und die Kleidung retteten wir und alles, was wir im Keller hatten. Meine Bibliothek grabe ich aus dem Schutt aus. Ich rettete schon einen ansehnlichen Teil davon, der aber sehr mitgenommen ist. Habe sie im Büro aufgestapelt, weil es da am wenigsten durchregnet. Nur zwei Räume habe ich noch, in denen ich etwas arbeiten kann. Wir nehmen unsere Mahlzeiten bei den Schwestern ein und schlafen auch dort seit den 26. November; bis dahin habe ich meine Kleider nicht vom Leibe bekommen......


Soweit der Zeitzeuge Pfarrer Mathias Hohn.

Am 6. April 1947 wurde im großen Saal des Gemeindehauses eine Notkirche eingeweiht. Der Wiederaufbau der Kirche wurde bald in Angriff genommen.
Das wieder aufgebaute Kirchengebäude erhielt Anfang 1972 nach der Instandsetzung der Außenfassade einen völlig neu gestalteten Innenraum. Auslösender Grund für die Renovierung war, dass der Innenraum der Kirche wegen des hohen Mittelschiffs zu hohe Heizungskosten verursachte oder kaum noch zu beheizen war. Deshalb wurde der Innenraum um ca. 40 % verkleinert. 1989 wurde der gesamte Kirchturm renoviert. Die Seitenschiffe erhielten neue Fenster. Die Werktagskapelle wurde in den Jahren 1992/93 umgebaut. Sie erhielt den Namen „Barbara-Kapelle“.

Aus Anlass des einhundertjährigen Jubiläums unserer Gemeinde wurden zwei Reliefs an den vorderen Säulen der Kirche angebracht, die unser Leitwort zum Jubiläumsjahr 2002 Gemeinde unterwegs: Herr, öffne uns den Blick! umsetzen wollen. Sie wurden gestaltet von Herrn Hermann Kirchhoff, einem Künstler aus unserer Gemeinde. Sie zeigen:

- Tobias mit Fisch und dem Engel Rafael auf dem Weg Bildunterschrift: „Herr, öffne uns den Blick!“

- Die drei Könige auf der Suche nach dem Weg zur Krippe Bildunterschrift: „Laßt uns suchen und sehen!“

Auch einige unserer Kirchenfenster sind vor einigen Jahren neu gestaltet worden. Zwei beeindruckende große Fenster schmücken das Querschiff unserer Kirche. Sie entfalten ihre Wirkung besonders bei einfallendem Sonnenlicht. Hier werden das Kreuz und die Dornenkrone thematisiert, die Zeichen des Leidens und Sterbens Jesu und unserer Erlösung. Auch die Farben greifen diese Symbolik auf: Rot steht für die Liebe Gottes und den Opfertod Christi, Gelb für Licht und Hoffnung auf Auferstehung sowie für die Herrlichkeit Gottes, Schwarz und Grau für die Dunkelheiten und Trostlosigkeit der Welt.

Das östliche Fenster stellt symbolisch die Eucharistie und den Auftrag Jesu an die zwölf Apostel und an uns dar, dieses Mahl immer wieder zu feiern. Sinnbild hierfür sind die zwölf Flammen im Kreis um Brot und Wein.

Das große Südfenster in der Barbara-Kapelle unserer Kirche thematisiert das aus dem Sterben sich immer wieder erneuernde Leben, dargestellt durch vier Christussymbole in den oberen Teilen der Fensterflächen: Die Sonne, die das Dunkel erhellt, den Pelikan, dessen Herzblut zum Wasser des Lebens für die Jungen wird, den Fisch als Zeichen für die Vollendung des Opfers, die Ähre als hundertfache Frucht des sterbenden Weizenkorns, das man in den unteren Feldern der Fensterflächen sieht.

Das Seitenfenster zum Windfang greift die alttestamentliche Erzählung vom Zug durch das Schilfmeer auf. Aus vager Hoffnung erwächst die Gewissheit der Erlösung aus Mühsal und Gefahr. Die beschriebenen Fenster wurden von Herrn Martin Hoffmann, einem Pädagogen aus unserer Gemeinde, entworfen.

Ab 2007 wird durch die Neuordnung des Bistums Essen unsere Gemeinde Heilige Familie zusammen mit den Gemeinden Herz Jesu, Liebfrauen, St. Georg, St. Josef, St. Thomas Morus, Maria Himmelfahrt, St. Barbara und Heilig Kreuz zur Pfarrei St. Augustinus gehören.