Das große Ziel ist erreicht:
Die Pfarrkirche St. Josef Ückendorf ist erbaut 

Endlich war der große Tag gekommen, auf den alle Ückendorfer Katholiken (ca. 9.000) seit vielen Jahren mit großer Opferbereitschaft hingearbeitet hatten.

Am 06. Oktober 1896 konnte unsere Pfarrkirche St. Josef vom Paderborner Weihbischof Dr. Augustinus Gockel feierlich eingeweiht werden.

Die Emscher-Zeitung berichtete am 07. Oktober 1896: 

Ueckendorf, 6. Okt. (Kircheinweihung)

Gestern nachmittag traf Herr Weihbischof Dr. Gockel von Paderborn hier ein, um die neue katholische Kirche einzuweihen und die Firmung zu spenden. Die Einweihung der Kirche fand heute morgen in der üblichen Weise statt.

Es ist ein monumentaler, im gotischen Stile errichteter Bau, zwar etwas einfach, aber doch von gefälligen Formen. Mit Rücksicht auf die stete Zunahme der Bevölkerung in hiesiger Gegend ist dieselbe sehr geräumig gebaut. Sie zählt zu den größten der Umgegend. Die äußerst solide und vorsichtige Verankerung des Baues wurde von der Gelsenkirchener Bergwerks Aktiengesellschaft unentgeltlich geliefert. Ebenso wurden die Bauplätze sowohl zu dieser als auch zu der vor einigen Jahren erbauten evangelischen Kirche von derselben Gesellschaft geschenkt.

Nach der kirchlichen Feier fand im Timpe’schen Saale ein Festessen statt, an welchem sich ungefähr 200 Personen aus allen Ständen beteiligten. 

Nach der Konsekration der neuen Kirche und des Hoch-Altares, in dem die Reliquien des hl. Gregor, der hl. Theodora und des hl. Orarius ruhen, wurde das Allerheiligste in einer feierlichen Prozession aus dem Betsaal an der Bochumer Straße ins neue Gotteshaus getragen, wo das erste Messopfer gefeiert wurde.

Am 19. September 1899 starb Pfarrer Carl Lüthen, der fast 11 Jahre lang, erst als Kaplan, dann als Pfarrer in Ückendorf gearbeitet hatte. Er wurde nur 55 Jahre alt und wurde auf dem „Alten Friedhof“ begraben. Am 11. Januar 1900, die Gemeinde zählte inzwischen 10.385 Seelen, wurde der neue Pfarrer, Georg Roether, feierlich in sein Amt eingeführt.

Die kommenden Jahre waren geprägt von der Weiterentwicklung des bisher Geschaffenen. 1902 wurde die alte Orgel durch ein neues Instrument mit 30 Registern, gefertigt von der Firma Eggert aus Paderborn, ersetzt. Im Jahr 1912 wurde die große Sakristei mit der Heizungsanlage im Keller, den Ankleideräumen für Priester und Meßdiener sowie einem Paramentenraum im Erdgeschoß gebaut. Im Obergeschoß war ein Versammlungsraum und ein Bücherraum der Borromäusbücherei eingerichtet. Die Inneneinrichtung des Erdgeschosses präsentiert sich heute dem Besucher im wesentlichen noch so wie 1912.

Mitten in den Kriegswirren des ersten Weltkrieges starb am 31. Juli 1916 Pfarrer Georg Roether im Alter von nur 53 Jahren. Am 05. Dezember 1916 wurde der neue Pfarrer, Wilhelm Siebers, bisher Pfarrvikar an St. Elisabeth in GE-Heßler, in sein neues Amt eingeführt.

Im Mai 1917 mußte die Gemeinde die Orgelpfeifen aus Zinn für Rüstungszwecke abliefern; am 16. Juli wurden die vier Bronzeglocken zur Einschmelze abgeholt, die 21 Jahre in Ückendorf die Gläubigen zum Angelus-Gebet und zum Gottesdienst gerufen hatten. Selbst die Blitzableiter aus Kupfer wurden nicht verschont. Die Jahre 1917 und 1918 waren für die Menschen, vor allem im Ruhrgebiet, schreckliche Not- und Hungerjahre. Im November 1918 hatte der unheilvolle Krieg, der Leid, Elend und Trauer gebracht hat, ein Ende und die Menschen versuchten einen Neuanfang.

Die große Seelenzahl der Gemeinde St. Josef machte den Neubau einer weiteren Kirche unbedingt erforderlich. In der Kirchenvorstandssitzung vom 29. Dezember 1919 wurde der Kauf eines Grundstücks von den Erben Erwig beschlossen. Dieses Grundstück an der Bochumer Straße sollte als Bauplatz für eine neue Kirche dienen. Gleichzeitig wurde bei einer gerichtlichen Versteigerung ein Nachbargrundstück erworben, um auch Platz für eine Vikarie zu haben. Am 02. Oktober 1929, ein großer Tag für Ückendorf, wird die neue Kirche, sie bekommt den Namen „Heilig Kreuz“, feierlich vom Paderborner Erzbischof Dr. Kaspar Klein eingeweiht.

Bis zum Beginn der Nazi-Herrschaft und des 2. Weltkrieges blühte das religiöse Leben in St. Josef. Die Kriegsjahre brachten viel Leid, Elend und Not über die Gemeindemitglieder und Ückendorf. Bei einem Bombenangriff in der Nacht zum 17. September 1942 wurden Pfarrhaus, Vikarie, das Antonius- und Vereinshaus von Brandbomben getroffen. Bei einem Fliegerangriff am 09. August 1943 wurden viele Fenster im Seitenschiff und im Chor unserer Kirche zerstört. Am 29. September 1943 brannte der Kirchturm bis auf den Grund aus. Dabei verbrannte auch die wertvolle Orgel, lediglich der Orgeltisch blieb verschont. Nachdem die Schäden an der Kirche notdürftig geflickt waren, flogen Bomberverbände am 06. November 1944 den größten Angriff auf Gelsenkirchen. In Ückendorf wurden das Gertrudisheim und die umstehenden Häuser völlig zerstört. Unsere Kirche wurde so schwer beschädigt, daß sie nicht mehr benutzt werden konnte, weil die meisten Kirchenfenster herausgerissen, Teile des Gewölbes eingebrochen und das Dach stellenweise völlig abdeckt war. 

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