Tiny-Houses: Kleine Häuser, großer Effekt
In Hüllen entstehen hinter der Kirche Herz Jesu vier kleine Wohneinheiten für junge wohnungslose Menschen. Das Projekt, von der Katholischen Jugendsozialarbeit (KJS) betreut, hilft doppelt, indem es langzeitarbeitslose Jugendliche beim Bau anleitet. Gerade wurde Richtfest gefeiert, im Frühjahr sollen die Einheiten fertig sein.
Tiny House – der Name ist Programm: klein, einstöckig, hell und mit dem Nötigsten ausgestattet, natürlich auch mit Strom und Wasser. Mit rund 24 Quadratmetern sind die vier Häuser in Hüllen dabei deutlich größer als die bereits bestehenden und erfolgreich genutzten Tiny Houses in Gelsenkirchen-Hassel.
Das Gelände hinter der Herz-Jesu-Kirche wurde dabei für den Bau zunächst unentgeltlich von der Propsteipfarrei St. Augustinus zur Verfügung gestellt. Die 2023 außer Dienst gestellte Kirche Herz Jesu dient als Lager und Werkstatt für die Holzmodule, aus denen die Tiny Houses zusammengesetzt werden.
Ein Projekt, das doppelt hilft
Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Jugendliche und junge Erwachsene arbeiten handwerklich an einem konkreten Projekt und erleben, wie aus vielen einzelnen Arbeitsschritten etwas Großes entsteht. Gleichzeitig schaffen sie etwas Wertvolles: Wohnraum für junge Menschen ohne eigene Wohnung.
Die Jugendlichen, die hier mitbauen, werden vom Jobcenter im Rahmen einer Maßnahme an die KJS vermittelt. In der Regel sind sie für ein Jahr dabei, Verlängerungen sind möglich; manche bleiben auch nur einige Wochen. 30 Stunden in der Woche wird gearbeitet, vergütet wird die Tätigkeit über das Jobcenter als sogenannter „2-Euro-Job“.
Doch die handwerkliche Arbeit ist nur ein Teil des Projekts. Gleichzeitig werden die Teilnehmenden durch das multiprofessionelle Team der KJS sozialpädagogisch begleitet und haben eine feste Bezugsfachkraft, wie Katrin Schmidt von der KJS erklärt. Dabei können ganz unterschiedliche Themen angegangen werden, etwa Gesundheit, Schulden oder Brüche in der Bildungsbiografie.
Fähigkeiten entdecken – und den nächsten Schritt schaffen
Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt sich auch daran, wie es für viele Teilnehmende anschließend weitergeht. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen entwickeln handwerkliche Fähigkeiten, gewinnen Selbstvertrauen und Motivation. Immer wieder gelingt anschließend der Schritt in eine Ausbildung oder Beschäftigung im Handwerk.
Wie es ehemaligen Teilnehmenden geht, erfährt die KJS häufig aus erster Hand. Viele kommen hin und wieder zu Besuch und berichten von ihrer Arbeit oder Ausbildung, von positivem Feedback im Betrieb – und davon, wie viel sie im Tiny-House-Projekt gelernt haben. Rückblickend werde auch die Begleitung durch die KJS geschätzt – sogar ganz explizit der dort eingeforderte Anspruch an Disziplin und Durchhaltevermögen, wie Schmidt schmunzelnd berichtet.
Ein neues Zuhause für junge Menschen
Auch auf der anderen Seite des Projekts sind die bisherigen Erfahrungen positiv. Aus Hassel, wo bereits Tiny Houses bewohnt werden, hört die KJS Gutes: Die Bewohner haben sich eingelebt, das Ziel, ihre Lebensverhältnisse durch ein eigenes Zuhause zunächst zu stabilisieren, wird erreicht.
In Hüllen richtet sich das Angebot speziell an eine jüngere Zielgruppe. Wohnungslose Menschen zwischen 18 und 27 Jahren sollen in den vier Häusern ein Zuhause finden. Auch das ansässige KT Hüllen hat bereits signalisiert, dass die neuen „Nachbar“ willkommen sind. Im Rahmen des Richtfests Ende Oktober lud das Team zunächst die KJS und die am Bau beteiligten Jugendlichen für den 4. Dezember zu einer Grillfeier ein – ausdrücklich „auf gute Nachbarschaft“.
Viele Dinge greifen ineinander
Für Karin Schmidt ist das Tiny-House-Projekt in dieser Form eines der besten Projekte, die sie bisher kennengelernt hat. Denn vieles greife hier sinnvoll und zielführend ineinander: die konkrete handwerkliche Tätigkeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, ihre sozialpädagogische Begleitung und am Ende ein sichtbares Ergebnis, das tatsächlich gebraucht wird.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die Teilnehmenden bauen nicht für irgendwen, sondern für andere junge Menschen. Viele von ihnen kennen selbst gebrochene Lebensläufe und Erfahrungen mit Brüchen im eigenen Leben. Dass sie nun ein Haus bauen und damit anderen helfen, werde durchaus reflektiert, berichtet Schmidt. „Ich bau jetzt ein Haus“ und „Ich helfe anderen“ – beides gehört bei diesem Projekt zusammen.
Wer mehr lesen will:
Berichte der WAZ seit 2023, zuletzt vom 19.10.2026: Jugendliche bauen Tiny Houses für Wohnungslose, Bericht auf der Seite des Bistums über das Projekt in Hassel: Neues Leben auf 12,5 Quadratmetern: Tiny Houses für Wohnungslose
Wer mithelfen will:
Die KJS sucht regelmäßig Handwerkerinnen und Handwerker, die ihre Expertise in bestimmten Bereichen ehrenamtlich einbringen möchten. Dauer und Umfang der Unterstützung können individuell vereinbart werden. Wer Lust hat mitzuhelfen, kann sich über die Website der KJS melden.
Text: J.L. Gutmann | Propsteipfarrei St. Augustinus
Bilder: © KJS gGmbH
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