Tartini-Konzert am 27. September
Am Wochenende kommt das Tartini-Ensemble wieder mit einem anspruchsvollen Programm in die Propsteikirche. Herzliche Einladung zu klassischen Konzertklängen am 27.9. um 16 Uhr in St. Augustinus am Heinrich-König-Platz.
Auf dem Programm stehen zwei Höhepunkte aus dem Instrumentalschaffen Johann Sebastian Bachs: das Cembalokonzert d-Moll und das Violinkonzert E-Dur. Letzteres wird von vielen Musikliebhabern auf die Frage nach dem schönsten aller Violinkonzerte genannt. Das Cembalokonzert wiederum ist Prüfstein und Repertpoirebestandteil ambitionierter Pianistinnen und Pianisten.
Wolfgang Schwering, Cembalist des Ensembles, ehemaliger Domorganist in Xanten und Folkwang-Dozent, ist als Solist am Konzertcembalo zu erleben. Tartini-Konzertmeisterin Phoebe Rosochacki brilliert als Solistin des Violinkonzertes. Und Propstei-Kirchenmusiker Wolfgang Ballhausen lässt erneut zu Beginn die große Orgel erklingen und spielt Präludium und Fuge C-Dur für Orgel BWV 545.
Kooperationspartner ist wieder das Kulturreferat der Stadt Gelsenkirchen. Der Eintritt ist frei, es wird um Spenden gebeten.
Wann? 27.9. um 16 Uhr
Wo? Propsteikirche St. Augustinus, Heinrich-König-Platz
Programmbeschreibung
Nicht erste, nicht zweite, sondern nur dritte Wahl war Johann Sebastian Bach nach Meinung des Leipziger Stadtrates, als es um die Neubesetzung der dort frei gewordenen Stelle des Thomaskantors und Musikdirektors ging. Man suchte nun einmal keinen verwegen improvisierenden Orgelvirtuosen, der eine Gemeinde mit seinen Hexenkünsten schwindelig spielte, sondern zuverlässige kirchenmusikalische Betreuung für vier Leipziger Kirchen, zwei davon Hauptkirchen, plus Musikunterricht an der Thomasschule. Vielleicht eilte Bach zudem auch der Ruf eines "schwierigen" und zu Regelverstößen neigenden Charakters voraus. War er doch nicht nur dabei erwischt worden, dass er verbotenerweise mit einer "frembden Jungfer" in der Kirche musizierte, er war sogar "vorbestraft": ein Monat Arrest in der Landrichterstube zu Weimar wegen "Halßstarriger Bezeugung" nach unerlaubtem Fernbleiben vom Dienst am Weimarer Fürstenhof!
Den Nerv der Zeit traf Bachs Musik dann aber um so mehr mit Anbruch des "romantischen" Zeitalters, genauer ab dem Jahr 1829. Felix Mendelssohn-Bartholdy war es, der da begann, ein Bachsches Meisterwerk nach dem Anderen dem Vergessen zu entreißen. Auch das trotzig-düstere d-Moll-Cembalokonzert des heutigen Programms mit seinem markanten Unisono-Beginn war darunter, zog von da an die Musikwelt in seinen Bann. Der zweite, gemessen-ernste langsame Satz begegnet uns auch als Chorsatz in Kantaten noch mehrfach. Der dritte Satz greift die Ruhelosigkeit des ersten wieder auf, steigert sie beinahe bis zur Atemlosigkeit.
Noch ungetrübt ist die Atmosphäre in der C-Dur-Orgelfuge mit Präludium, die wir eingangs erleben können, und die von Mendelssohn als maßstabsetzend empfunden wurde in ihrer kompositorischen Vollkommenheit und Eleganz - ein frühes Meisterwerk des jungen Meisters der "Königin der Instrumente". Als Bach im Jahre 1708 – 23jährig – sein Engagement als Weimarer Hoforganist antritt, existiert das Werk bereits, muss aber durch Transposition von C nach B an den geringeren Tonumfang der Hoforgel angepasst werden.
Was die Violinkonzerte betrifft, so arbeitete Bach sie in Leipzig sämtlich in Cembalokonzerte um und entwickelte sie dabei weiter. Auch unser d-Moll-Konzert soll aus einem hoch virtuosen Violinkonzert aus der Köthener Zeit hervorgegangen sein. Das E-Dur-Violinkonzert des heutigen Konzertes erscheint später in Gestalt eines Cembalokonzertes in D. Wie auch immer - als Violinkonzert zählt es - als "Miniatur" - zu den "Großen" seiner Gattung. Der festlich strahlende Kopfsatz wird geprägt von einem lebhaften, eng verflochtenen Miteinander der Solovioline mit dem Orchester. Im größtmöglichen Gegensatz dazu in cis-Moll einer jener langsamen Sätze, in denen die Dimensionen Zeit und Raum sich allmählich aufzulösen scheinen. Über einem an eine Chaconne erinnernden Grundmotiv im Baß entwickeln sich endlose immer melancholischere Gesangslinien der Solovioline. Wieder zurück ins Hier und Jetzt holt uns der dritte Satz mit norddeutsch-bäuerischem Dreiachtel-Rythmus in den Ritornellen, dazwischen sich steigernde immer halsbrecherischere Zweiundreißigstel-Kaskaden der Solostimme.
Texte und Programmbeschreibung: Christoph Tentrup, Tartini-Ensemble
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