CLM-Regionalkonferenz in Gelsenkirchen
Wie kann Kirche in einer säkularen Stadt künftig präsent und wirksam bleiben? Bei der Regionalkonferenz am 27. Januar im Augustinushaus informierte das Bistum Essen über den Transformationsprozess „Christlich leben. Mittendrin.“ (CLM) und stellte erste Modelle für eine Stadtkirche und eine Stadtpfarrei sowie einen Zeitplan für Gelsenkirchen vor.
Das Bistum Essen hatte gemeinsam mit Stadtdechant und Propst Markus Pottbäcker zur Regionalkonferenz eingeladen, um über den Transformationsprozess „Christlich leben. Mittendrin.“ (CLM) zu informieren. Rund 150 Menschen aus ganz Gelsenkirchen folgten der Einladung und ließen sich von Programm-Manager Johannes Vutz und Generalvikar Klaus Pfeffer die Modellvorschläge für eine Stadtkirche und eine Stadtpfarrei vorstellen.
Zu Beginn begrüßte Stadtdechant und Propst Markus Pottbäcker die Anwesenden. In seiner Ansprache erinnerte er an den 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 sowie an den 84. Jahrestag der Deportation der Gelsenkirchener Jüdinnen und Juden, die drei Jahre zuvor ebenfalls am 27. Januar stattgefunden hatte. Vor diesem historischen Hintergrund betonte er die heutige Verantwortung aller Christinnen und Christen, sich gerade in politisch unruhigen Zeiten aktiv gegen Hass, Gewalt und Ausgrenzung einzusetzen. Christliche Kirche müsse weiterhin sichtbar für die Würde aller Menschen eintreten und gesellschaftlich prägend bleiben.
Diesen Punkt griff anschließend Johannes Vutz auf. Denn eine Grundannahme des Transformationsprozesses ist es, dass es für kirchliches Handeln weiterhin gesellschaftlichen Bedarf gibt – jedoch anders als früher. Um den christlichen Glauben als eine Option in einer diversen Gesellschaft anzubieten, müssen neue Wege des Kirche-Seins gefunden werden. Das sei auch angesichts des demografischen Wandels nötig, in dessen Zuge sich die Kirche auf weiter sinkende Mitglieder- und Mitarbeitendenzahlen sowie begrenzte finanzielle Ressourcen einstellen müsse.
Dieser Wandel, so seine klare Einschätzung, sei unausweichlich. Entscheidend sei daher, ihn verantwortungsvoll zu gestalten und frühzeitig damit zu beginnen, um Handlungsspielräume zu bewahren. Genau hier setzt der Transformationsprozess „Christlich leben. Mittendrin.“ an. Ziel ist es, vorhandene kirchliche Kräfte stärker zu bündeln und verlässliche Allianzen auf Stadtebene zu entwickeln. Im „Wort des Bischofs“ vom 1. Januar 2025 beschreibt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck diesen Ansatz so:
„Es geht darum, in einer überwiegend säkularen Welt den christlichen Glauben als eine Option anzubieten. Das wird nur gelingen, wenn wir auf allen Ebenen zusammenrücken, um unsere Kräfte so effizient wie möglich zu bündeln. In allen Städten und Kreisen unseres Bistums kann auf diese Weise eine katholische Kirche zusammenwachsen, die sich in großer Pluralität und Vielfalt an unterschiedlichen Orten für unterschiedliche Menschen öffnet.“
Der Modellvorschlag zur Stadtkirche sieht vor, die Zusammenarbeit bestehender kirchlicher Akteure – etwa Caritas, katholische Kindergärten und Schulen, Jugendverbände sowie Bildungsträger – stärker zu koordinieren. Durch die Bündelung von Kräften, den Abbau von Doppelstrukturen und das gemeinsame Nutzen von Ressourcen soll kirchliche Arbeit entlastet und neu ausgerichtet werden. Der Modellvorschlag zur Stadtpfarrei, die innerhalb der Stadtkirche einer von mehreren Akteuren sein wird, befasste sich vor allem mit ihrer organisatorischen und rechtlichen Ausgestaltung in Form eines Pfarrsynodalrats.
Im Anschluss an die Präsentation bestand Gelegenheit zur Diskussion. Neben Fragen zur zukünftigen Ausgestaltung der Pastoral – etwa zu Gottesdienstorten, Jugendarbeit und Begegnungsräumen – wurden zahlreiche Detailfragen zur geplanten Gremienstruktur gestellt. Johannes Vutz und Generalvikar Klaus Pfeffer beantworteten viele Anliegen, machten jedoch auch deutlich, dass manche Fragen erst im weiteren Prozess gemeinsam geklärt werden können. Sie betonten, dass es sich bei den vorgestellten Modellen um Vorschläge handelt und das Bistum ausdrücklich offen für Rückmeldungen, Ideen und Anregungen ist. Unter www.clm.bistum-essen.de/material finden sich Ansprechpersonen, eine Feedbackumfrage sowie die Präsentationen der Modellvorschläge, wie sie am 27.1. präsentiert wurden.
Für Gelsenkirchen startet der mehrjährige Prozess, der Raum für Beteiligung, Austausch und gemeinsame Gestaltung lässt, schon bald: Der Vorprozess zur Gründung der Stadtkirche beginnt nach aktuellem Planungsstand im dritten Quartal 2026. Die Gründung der Stadtkirche ist zum Jahreswechsel 2028/2029 vorgesehen.
Text & Fotos: J.L. Gutmann, Propsteipfarrei St. Augustinus
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