Gutes neues Jahr?
Ja, das Fragezeichen ist kein Tippfehler. Ob 2026 ein gutes Jahr wird, scheint beim gegenwärtigen Zustand der Welt zumindest manchmal fraglich. Wie der christliche Glaube beim Umgang mit Krisen helfen kann und warum es auch viel Anlass gibt, dem neuen Jahr trotzdem hoffnungsvoll entgegenzublicken, lesen Sie im Neujahrsgruß.
Liebe Mit-Christ*innen,
ein neues Jahr beginnt. Wie so oft blicken wir nach vorne – mit gemischten Gefühlen. Da ist der Blick auf das, was wir haben und die Hoffnung auf gute Vorsätze, auf schöne Erlebnisse mit Freunden und Familie. Und zugleich ist da die Sorge. Sie lässt sich nicht einfach beiseiteschieben – zu deutlich ist der Blick auf den Zustand unserer Welt.
Krisen werden uns auch im neuen Jahr begleiten. Weltpolitisch erleben wir Kriege, Aggressionen, Flucht und Vertreibung, einen besorgniserregenden Rechtsruck. Lokalpolitisch spüren wir die Auswirkungen bis in unsere Kommunen hinein. Ökologische und wirtschaftliche Unsicherheiten bleiben, und auch unsere Kirche befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der Verunsicherung auslöst, Unzufriedenheit, das Festhalten am Vertrauten – aber auch die Chance für Neues eröffnet.
Die entscheidende Frage ist: Wie begegnen wir diesen Krisen als Christinnen und Christen?
Das Wort „Krise“ stammt aus dem Griechischen und bezeichnet nicht nur den Höhepunkt eines massiven Konflikts, sondern läuft immer auch auf einen Wendepunkt, einen Moment der Entscheidung, zu. Krise fordert heraus, nicht passiv zu bleiben, sondern Stellung zu beziehen und mitzugestalten. Wo Entscheidungen getroffen werden, wächst auch die Hoffnung, dass Krisen überwunden werden können.
Hier liegt ein kritisches, ja ein widerständiges Potential unseres Glaubens. Christ*in zu sein heißt, sich zu orientieren – auch dann, wenn vieles unklar scheint. Der Maßstab ist klar: Immer zuerst die Armen und Schwachen im Blick zu haben, die Marginalisierten, jene, deren Stimmen zu wenig gehört werden. Es heißt, die unantastbare Würde jedes Menschen ernst zu nehmen und Nächstenliebe nicht nur zu beschwören, sondern konkret werden zu lassen in tätiger Solidarität.
Darauf sind wir angewiesen – in der Auseinandersetzung mit rechten Ideologien, im achtsamen Umgang miteinander, gegen Hetze und Ausgrenzung, im mutigen Weiterdenken von Kirche und in unserem Engagement in Nachbarschaften, Vereinen und Verbänden. Christlicher Glaube ist keine Haltung des Rückzugs, sondern eine Einladung zum Handeln.
Ins Handeln zu kommen ist die beste Antwort auf Ohnmacht und Stillstand. Wer sich für andere einsetzt, wer Verantwortung übernimmt, erfährt Selbstwirksamkeit – und entdeckt dort neue Kraft, auch für sich selbst. Wenn ich mir und uns allen also etwas wünschen darf, für dieses neue Jahr, dann vor allem das: Immer wieder neue Hoffnung und den Mut zur Tat!
Text: J.L. Gutmann, Medienkoordinatorin der Pfarrei St. Augustinus
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